„Jede Herausforderung ist eine spannende”

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Das Eventjahr 2020 fand zum überwiegenden Teil online statt. Das Team von ONevents versucht, die virtuellen Veranstaltungen mit Leben zu füllen.

WIEN. Egal ob Jahreskonferenz, Kongress, Fachmesse oder Konzert: Events fielen 2020 pandemiebedingt entweder ins Wasser oder wurden in den digitalen Raum verlagert. „Die Herausforderung war, dass man in einer Zeit, in der Treffen untersagt waren, Kunden oder Gäste trotzdem erreicht, unterhält und Wissen vermittelt”, so Alexander Janda über die Idee, ein Unternehmen zu gründen, das virtuelle Events abwickelt. Nachsatz: „Aber auf interessante Art und Weise”.

In den vergangenen Monaten sei es darum gegangen, Menschen davon zu überzeugen, dass auch Online-Events einen Mehrwert leisten können – sofern sie Teilnehmer miteinbinden, sagt Janda, der im Oktober 2020 ONevents gründete. Als Plattform-Anbieter für digitale bzw. hybride Events kann man Veranstaltungen auch in diesen Zeiten professionell und mit Publikumsinteraktion abwickeln. 
medianet sprach mit dem Team von ONevents über technische Herausforderungen, Nachhaltigkeit im Eventbereich und die Zeit nach Corona.

„Soziale Komponente fehlt”

Vergessen werde oft, dass physical distancing nicht social distance bedeute, meint Jochen Praschl, der in der Projektentwicklung des Unternehmens tätig ist. „Alles, was in den letzten Monaten passiert ist, zeigt, dass die soziale Komponente total fehlt”, sagt er, „auch bei Events”.

Aus diesem Grund habe man nach einem Weg gesucht, Leute zusammenzubringen – „wenn auch nur am Screen über die Kamera oder diverse Chatfunktionen”, so Praschl. Die durch die Plattform geschaffenen Interaktionsmöglichkeiten würden die Publikumsbeteiligung fördern und somit bei Besuchern besser Emotionen – „von denen die Branche lebt” – hervorbringen.
„Wir verbinden die Veranstaltungswelt – die Welt der Veranstalter, die wissen, wie man Leute unterhält und Infos richtig transportiert – mit der technischen Welt”, erklärt Janda. Das Unternehmen sehe sich als Schnittstelle an, man würde Veranstaltern helfen, Konzepte in die digitale Welt zu übertragen.

Stolperfallen vermeiden

Ein Fehler, der bei Online-Events oft gemacht werde, ist, mit einfachen Websites zu arbeiten. Dabei würden wichtige Aspekte wie Geschwindigkeit, Stabilität oder DSGVO-Konformität schnell vergessen werden. Dinge, die bei der Konzeption der ONevents-Plattform „von der Registrierung weg” durchgedacht sind. Am Ende entsteht eine virtuelle Location, die „wir gut ausstatten und die datenkonform und IT-technisch sicher abläuft”, so Jochen Praschl. Klassische Stolperfallen, wie etwa Überlastungen bei den Gästen, könnten so vermieden werden.

Probleme wie diese bekommen Janda und Praschl unter anderem in den von ihnen veranstalteten Community Workshops aufgezeigt. Auf solchen „digitalen Stammtischen” treffen sich beispielsweise Veranstalter, Techniker und Grafiker und tauschen sich über die Branche, Trends und Herausforderungen aus.

„Es ist ein Balanceakt”

„Diese Inputs helfen uns in der Entwicklung der Plattform enorm weiter”, sagt Janda. Vor Kurzem wurden sie gefragt, wie „die An- bzw. Abwesenheit von Gästen” bei Online-Veranstaltungen überprüfbar sei. Der Software-Entwickler bei ONevents, Christian Kößler, hat dafür eine Lösung gefunden: Pop-ups, die Teilnehmern eine zu beantwortende Frage stellen.

Gefordert ist dadurch vor allem Kößler, denn: „Es ist ein Balanceakt.” Er selbst komme aus dem Projektmanagement im IT-Bereich, wo Projekte „extrem strukturiert geplant und auch durchgezogen werden”. In der Eventbranche sei dies anders, wo teilweise noch am Tag der Veranstaltung Anpassungen vorgenommen werden. Bei solchen Änderungen müsse aufgepasst werden, „dass nicht im letzten Moment ein funktionierendes System torpediert wird”, so Kößler. 
Mittlerweile sei die Softwarebasis aber „sehr stabil”, weshalb auch kurzfristig auf Anpassungen reagiert werden könne. „Über 2.000 Leute können wir schon sehr leicht stemmen”, sagt Christian Kößler.

Bandbreite an Projekten

Betreut habe man eine Vielfalt an Online-Veranstaltungen, so Praschl. „Alles, wo sich Menschen getroffen haben, um sich auszutauschen, passiert aktuell digital und zukünftig hybrid”, meint er. „Das heißt, es geht wirklich quer durchs Gemüsebeet, und jede Herausforderung ist eine spannende.”

Neben Kunden wie dem Alp­bacher Finanzsymposium oder Kronehit richtet das Unternehmen aber auch Events für gemeinnützige Zwecke aus, etwa für die Stillberatung La Leche oder den Wiener Naturschutzbund – „komplett kostenlos”, so Janda. 
Was alle Events miteinander verbindet? „Unabhängig davon, ob ein 70-jähriger Kardiologe oder ein 25-jähriger DJ eine Veranstaltung ausrichten möchte”, meint Praschl, „im Prinzip läuft es immer wieder aufs Gleiche hinaus”: Ein Event solle Spaß machen, unterhalten und bilden.

Inklusion ermöglichen

Angst, dass ihnen nach der Pandemie das Geschäft wegbricht, hat Alexander Janda nicht. „Dann machen wir einfach ­Urlaub”, scherzt er. „Spaß beiseite: Es gibt sicherlich Ver­anstaltungen, die lokal spannender sind. Es gibt aber auch wahnsinnig viele, die digital besser sind.”

Zudem müsse man auch „ganz ehrlich” in die Vergangenheit und auf „den Ressourcen­wahnsinn bei Großveranstaltungen” zurückblicken, sagt Praschl. Klimaneutralität und Umweltschutz wären durch Online-Events leichter umsetzbar, als durch analoge Veranstal­tungen. 
Dennoch: „Wir wollen, dass Menschen wieder beisammen- sitzen”, so Praschl. Man wolle aber auch Leuten die Teilnahme an Events ermöglichen, die aus unterschiedlichsten Gründen nicht an der lokalen Veranstaltung teilnehmen können. Das Schöne sei, Leute bei Events zu inkludieren und Barrieren abzubauen. „Egal, ob ich es nicht zum Event schaffe, weil ich auf einem anderen Kontinent oder im Rollstuhl sitze”, meint Praschl, „wir können und wollen alle dazuholen.” (red)

Erschienen in medianet.at von Redaktion am 04.06.2021